Intelligent Lesen

Du hast also angefangen, den Text zu lesen (großartig!), stellst dir jetzt aber vielleicht die Frage wie es nun weitergeht: „Wie soll ich den Text lesen? Worauf soll ich achten?“

Das sind sehr wichtige Fragen, die viele Bibelleser interessanterweise nie stellen. Warum ist das so? Ich denke, dass es zumindest teilweise daran liegt, dass wir ganz bestimmte Vorstellungen haben, wie Bibelstudium funktioniert.

Du hast vielleicht bemerkt, dass ich noch nichts über die Rolle des Gebets oder des Heiligen Geistes im Zusammenhang mit Bibelstudium gesagt habe. Sollte nicht das Gebet um den Heiligen Geist und seine Führung die wichtigste Voraussetzung für das Lesen und Verstehen des Textes sein? Absolut! Ich glaube fest daran, dass wir die Bibel ohne die Hilfe des Heiligen Geistes nicht verstehen können. Doch die Frage ist: wie wirkt der Heilige Geist?

Viele Leute scheinen zu denken, dass wenn sie vor ihrem Bibelstudium beten, der Heilige Geist ihnen die richtige Bedeutung des Textes auf geheimnisvolle Art und Weise eingibt. Solche Leute lesen den Text und warten dann auf eine Art Erleuchtung. Das Problem ist , dass oft nichts passiert. Das frustriert und man beginnt zu denken, dass man vielleicht nicht geistlich oder intelligent genug ist. Manche geben das Bibellesen sogar völlig auf.
Heißt das also, dass wir nicht beten sollen? Nein! Wir müssen beten. Aber wir sollten vom Heiligen Geist nicht erwarten, die Arbeit für uns zu tun, die wir selber tun können und sollten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Heilige Geist durch und zusammen mit unserem Verstand arbeitet. Was wiederum bedeutet, dass wir beim Bibelstudium diesen unseren Verstand gebrauchen sollten. Anders ausgedrückt: wir müssen über den Text nachdenken und darüber, was uns der Autor sagen möchte. (Ich glaube, dass es das ist, was David meint, wenn er davon redet, über das Wort Gottes „nachzusinnen“.) Den Verstand zu gebrauchen, den Gott uns gegeben hast, ist nicht ungeistlich! Denken ist Pflicht!

Das bringt uns zurück zu der Frage, wie der Text funktioniert. Wie sollten wir ihn lesen, um die Botschaft des Autors zu verstehen?

Die Antwort lautet: Wir müssen intelligent lesen.

Intelligent zu lesen bedeutet, dass wir aufmerksam darauf achten, was der Autor geschrieben hat, aber auch wie er seinen Text geschrieben hat, um seine Aussage rüberzubringen. Das ist wichtig, denn durch den Inhalt als auch durch die Form des Textes hat der Autor Hinweise hinterlassen, die uns dabei helfen sollen zu verstehen, was er sagen möchte. Bibelstudium ist also in gewisser Hinsicht mit Detektivarbeit vergleichbar. Nur wenn wir die Hinweise und Spuren erkennen und sie richtig zusammenfügen, können wir den Fall lösen, d. h. den Text richtig interpretieren.

An dieser Stelle tut sich ein weiteres Problem auf: Die Bibel wurde nicht auf Deutsch oder in einer anderen modernen Sprache geschrieben, sondern auf Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Das heißt, dass die meisten von uns die Bibel nicht in den Originalsprachen lesen können, was wiederum dazu führt, dass wir einige Hinweise nicht erkennen, weil sie nur in der Originalsprache erkennbar sind. Dieses Problem kann jedoch minimiert werden, wenn man eine Bibelübersetzung benutzt, die so nah wie möglich an den Originalsprachen bleibt. Im Deutschen sind hier z.B. die Elberfelder und die Schlachter Übersetzung zu empfehlen.

Fassen wir zusammen: Wie sollten wir den Text lesen?

  • Bete. Bitte den Heiligen Geist, dich beim Lesen und Nachdenken über den Text zu führen.
  • Benutze eine Übersetzung, die den Originalsprachen treu ist.
  • Lies den Text mehrmals aufmerksam durch.
  • Lies intelligent: Achte sowohl auf den Inhalt als auch auf die Form des Texts. Stelle immer wieder folgende Frage: Warum steht es so da, wie es dasteht?
  • Notiere alle Hinweise, die der Autor im Text hinterlassen hat.

Das bringt uns zu der Frage: Was sind diese gerade erwähnten Hinweise? Und wie kann man sie erkennen?

Fortsetzung folgt! 🙂

 

Die Bibel ist ein Text

Bevor ich anfange über Dinge zu posten, die ich in der Bibel entdecke, möchte ich kurz erklären, wie ich dieses Buch lese. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich behaupte nicht, alle Antworten zu haben. Im Gegenteil: Je länger ich die Bibel studiere, umso mehr merke ich, wie wenig ich sie verstehe und wie wenig ich darüber weiß, wie man sie richtig studiert. Und doch hat das Wenige, das ich weiß und das ich von anderen in den letzten Jahren gelernt habe, mir sehr geholfen, die Bibel besser zu verstehen.

Ich möchte mit einer Frage beginnen, die mich schon seit einiger Zeit beschäftigt:

Wie funktioniert die Bibel?

Viele Bibelleser denken nie über diese Frage nach. Doch für mich ist sie entscheidend. Warum? Weil man wissen muss, wie ein Buch funktioniert, wenn man es verstehen möchte. Mit anderen Worten: Man muss wissen, wie man es lesen sollte, damit man es richtig auslegen kann. Leider sagt uns die Bibel nicht, wie wir sie lesen sollten. Zumindest nicht direkt. In der Bibel gibt es keine Gebrauchsanweisung für richtiges Bibelstudium. Oder doch?

Bevor wir diese Frage beantworten können, müssen wir zunächst einer anderen grundlegenden Frage nachgehen:

Was ist die Bibel?

Das scheint vielleicht eine sehr einfache oder sogar dumme Frage zu sein. Sie mag einfach sein, aber sie ist dennoch wichtig. Die Antwort darauf beeinflusst nämlich, wie man an die Bibel herangeht und worauf man achtet, wenn man sie studiert. Wie schon gesagt, viele Leute denken nie über diese Frage nach. Und doch hat fast jeder irgendeine Antwort darauf, was wiederum einen Einfluss darauf hat, wie er oder sie die Bibel sieht.

Was also ist die Bibel?

Ich möchte vorschlagen, dass die Bibel ganz einfach gesagt ein Text ist. Natürlich nicht irgendein Text, sondern ein göttlich inspirierter Text, der beansprucht, „die Wahrheit“ zu sein. Das heißt, sie ist ein besonderer Text, aber dennoch ein Text. Sie ist auch ein Text, der eine Geschichte erzählt. Diese Geschichte beginnt perfekt und endet perfekt. Doch zwischendrin gibt es eine ganze Menge, was absolut nicht perfekt ist. Und doch ist es alles Teil der gleichen Geschichte. Das bedeutet, dass obwohl der Text in verschiedene Untertexte (biblische Bücher) eingeteilt ist, es dennoch ein großer Text ist, eine große Geschichte. Man kann keinen Teil des Texts von einem anderen Teil trennen. Das sollte man beim Bibelstudium immer im Hinterkopf haben.

Wenn die Bibel ein Text ist, dann ergibt sich daraus logisch die nächste Frage:

Was ist die Funktion eines Texts?

Anders ausgedrückt: warum wird ein Text geschrieben? Die Antwort lautet: um zu kommunizieren. Die grundlegende Funktion eines Texts ist Kommunikation. Jemand (der Autor) möchte jemand anderem (dem Leser) etwas mitteilen. Graphisch dargestellt würde das etwa so ausschauen:

Autor                   →               Text              →               Leser

Das heißt, die wichtigste Frage, die man als Leser stellen sollte, lautet: was möchte der Autor durch den Text sagen?

Sobald wir versuchen, diese Frage zu beantworten, stellen wir fest, dass das gar nicht so einfach ist.

Denn erstens teilen uns die biblischen Autoren oft nicht direkt mit, was sie sagen möchten. Manchmal tun sie es (und wir werden uns ein paar solcher Fälle in einem späteren Post ansehen), doch meistens tun sie es nicht.

Und zweitens ist der Text eine Gemeinschaftsproduktion von menschlichen Autoren und einem göttlichen Autor und mit keinem dieser Autoren kann man ein direktes Gespräch (sprich: von Angesicht zu Angesicht) über die Bedeutung seines Textes führen.

Es bleibt uns daher nur der Text an sich (keine Angst, ich habe den Heiligen Geist nicht vergessen). Das heißt, wenn wir entdecken wollen, was der Autor sagt, müssen wir uns seinen Text sehr genau anschauen. Und das bedeutet zuallererst: wir müssen ihn lesen.

Das mag sich simpel anhören, ist aber in Wirklichkeit für viele von uns ziemlich schwierig. Warum?

Zum einen weil wir keine Zeit haben. Oder uns keine Zeit nehmen wollen. Und einer der Hauptgründe, warum wir uns keine Zeit nehmen wollen, ist, weil wir, wenn wir ehrlich sind, die Bibel im Grunde genommen langweilig finden.  Zumindest ist sie nicht so spannend wie viele andere Sachen. Wie Filme zum Beispiel. Oder Musik. Oder Sport. Oder irgendeine andere Sache, für die wir uns begeistern.

Warum kommt uns die Bibel langweilig vor? Vielleicht, weil sie uns so vertraut erscheint. Viele von uns sind mit ihr aufgewachsen. Wir haben sie viele Jahre lang gelesen – oder, wenn wir sie nicht selbst gelesen haben, so haben wir doch so einiges über sie gehört. Das verleitet uns dazu zu denken, dass wir sie kennen, obwohl das gar nicht der Fall ist.

Das bringt uns zu einem weiteren Problem. Da wir denken, dass wir den Text schon kennen, gehen wir oft sehr schnell zur Auslegung, zur Interpretation. Wir kennen den Text, warum sollen wir ihn also nochmal lesen? Das Wichtige ist doch, was er bedeutet. Die Anwendung ist es, die uns interessiert.  Daran ist an sich auch nichts auszusetzen, doch oft springen wir zu schnell zu diesem Teil des Auslegungsprozesses, ohne genug Zeit damit verbracht zu haben, den Text einfach zu lesen.

Um dieses Problem zu lösen, müssen wir uns dessen bewusst werden, dass wir den Text nicht kennen. Oder, wenn uns das zu schwer fällt, sollten wir zumindest versuchen so zu tun, als würden wir den Text nicht kennen. Das Wichtige ist, den Text zu lesen, als wenn man ihn noch nie zuvor gelesen hätte. Manche Leute nennen das „mit neuen Augen lesen“. Wie auch immer du es nennst, vergiss nicht, den Text einfach zu lesen. Sorgfältig zu lesen. Aufmerksam. Immer wieder. Versuch das mal. Ja, es braucht Zeit, aber es lohnt sich. Garantiert!

Hallo!

Die Idee, diesen Blog zu starten, gibt es schon länger. Nun sind Ideen an sich ja eine gute Sache, aber wenn man sie nicht in die Tat umsetzt, bleiben sie eben bloß Ideen. Damit das nicht passiert, muss man manchmal aufhören über eine Idee nachzudenken, und einfach loslegen. Zum Beispiel anfangen zu schreiben. Und genau das mache ich jetzt.

Wie du sicher schon erraten hast, geht es bei diesem Blog schlicht und einfach nur um eine einzige Sache: das Wort Gottes. Warum? Weil ich begeistert davon bin! Weil ich absolut davon überzeugt  bin, dass die Bibel das faszinierendste Buch ist, das es gibt!

Ich muss zugeben, dass ich das nicht immer so gesehen habe. Obwohl ich mit der Bibel aufgewachsen bin und schon von kleinauf mit ihr vertraut gemacht wurde, hat sie mich lange nicht wirklich fasziniert. Ich habe ihre Lehren geglaubt. Ich habe sie für sehr wichtig gehalten. Ich habe über sie geredet und aus ihr gepredigt. Aber ich war nicht fasziniert. Zumindest nicht so wie ich es jetzt bin. Und das lag vor allem daran, dass ich nicht wusste, wie die Bibel „funktioniert“.

Vor einigen Jahren bin ich auf das Buch „The Art of Biblical Narrative“ von Robert Alter gestoßen. Dieses Buch hat die Art und Weise, wie ich die Bibel lese, für immer verändert. Dabei ist es eigentlich eine Ironie, dass Alter gar nicht daran glaubt, dass die Bibel das inspirierte Wort Gottes ist – etwas, wovon ich hingegen sehr stark überzeugt bin (und was die Bibel selbst auch beansprucht!). Ich stimme auch nicht mit Alter darin überein, dass zumindest einige der Ereignisse, die in den biblischen Geschichten beschrieben werden, historisch gesehen gar nicht stattgefunden haben. Trotz dieser Unterschiede hat mich beim Lesen von Alters Buch eine so starke Begeisterung für die Bibel wie nie zuvor gepackt. Warum? Weil mich die Dinge, die er im Text entdeckt hat, wirklich fasziniert haben (auch wenn ich nicht mit all seinen Schlussfolgerungen übereinstimme). Damals habe ich angefangen zu begreifen wie genial, wie schön und tiefsinnig die Bibel wirklich ist. Und ich habe zumindest teilweise begonnen zu verstehen, wie die Bibel „funktioniert“ und wie ich sie lesen muss, um die Bedeutung des Textes zu erkennen.

Seitdem habe ich mehrere andere hilfreiche Bücher gelesen, die mich auf Dinge in der Bibel aufmerksam gemacht haben, die ich zuvor noch nicht bemerkt hatte. Sie haben mir gezeigt, auf was ich achten muss, wenn ich den biblischen Text studiere. Aber das wichtigste Buch, das ich gelesen habe und immer noch lese, ist die Bibel selbst. Und je mehr ich lese, desto mehr entdecke ich. Und je mehr ich entdecke, umso mehr verstehe ich. Und je mehr ich verstehe, umso begeisterter werde ich!

Dabei erhebe ich keinesfalls den Anspruch, die Bibel und die Art und Weise wie sie „funktioniert“ völlig zu verstehen. Ich bin selbst immer noch am Lernen (und hoffe, dass das auch so bleibt!), und es gibt Vieles, was ich (noch) nicht verstehe. Aber ich verstehe wesentlich mehr als noch vor ein paar Jahren. Für mich ist das eine sehr spannende Erfahrung, eine Reise sozusagen, durch die ich mich wie nie zuvor in die Bibel verliebt habe – und in den Gott, der sie inspiriert hat.

Wenn man von etwas begeistert ist, dann will man es mit anderen teilen. Und genau da kommt dieser Blog ins Spiel. Für mich ist er eine Möglichkeit, davon zu erzählen, was ich während meines persönlichen Bibelstudiums im Text sehe und entdecke. Vielleicht wird dich das ein oder andere interessieren. Vielleicht wird es dich auch begeistern. Vielleicht wird es dich sogar ermutigen, den Text selbst zu lesen und zu studieren. Ich würde es mir wünschen.

Bitte fühl dich frei, die einzelnen Posts zu kommentieren. Oft präsentiere ich keine endgültigen Ergebnisse, sondern berichte einfach von dem, was ich im Text sehe und welche Fragen sich dadurch für mich ergeben. Du darfst dich jederzeit gerne in das Gespräch einschalten. Fragen, Anregungen, zusätzliche Einsichten, sowie konstruktive Kritik sind immer herzlich willkommen, ja sogar ausdrücklich erwünscht. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir voneinander profitieren könnten.

Also dann: los geht’s!