7. Hinweis: Der Text baut auf vorherigen Texten auf (1. Teil)

Inzwischen sollte deutlich geworden sein, dass biblische Texte nicht isoliert für sich alleine stehen, sondern immer Teil von etwas Größerem sind. Das ist nicht wirklich überraschend, wenn wir bedenken, dass die Bibel nicht eine wahllose und ungeordnete Ansammlung von Texten, sondern ein gut durchdachtes literarisches Meisterwerk ist, dass eine große Geschichte erzählt, die in 1. Mose 1 anfängt und in Offenbarung 22 ihren triumphalen Abschluss findet. Und wie bei jeder Geschichte, ist es auch in der Bibel schwierig spätere Teile der Geschichte zu verstehen, wenn man die früheren Teile und vor allem den Anfang der Geschichte nicht kennt. Stell dir vor du würdest einen Roman zur Hand nehmen, den du noch nie zuvor gelesen hast und würdest einfach irgendwo, sagen wir in Kapitel 22 anfangen zu lesen. Wie viel würdest du verstehen? Wahrscheinlich nicht besonders viel. Ohne den Hintergrund der ersten 21 Kapitel würde das, was in Kapitel 22 steht wahrscheinlich nicht besonders viel Sinn machen. Die einzige Möglichkeit, um wirklich zu verstehen, was in Kapitel 22 los ist, ist die ersten 21 Kapitel zu kennen. Dasselbe gilt auch für die Bibel. Man kann beispielsweise einen Text im Buch Josua nicht vollends verstehen, wenn man nicht weiß, was in den fünf Büchern Mose passiert. Genausowenig kann man die Briefe von Paulus vollends verstehen, wenn man das Alte Testament nicht kennt. Warum nicht? Weil Paulus, der Autor des Buches Josua und alle anderen Bibelschreiber sich ständig auf vorherige Texte beziehen und auf sie anspielen. Manchmal tun sie das sehr direkt, indem sie einen vorherigen Text zitieren. Oft tun sie es allerdings auf eher subtile Art und Weise, indem sie ihre Texte so schreiben, dass der aufmerksame Leser unweigerlich an vorherige Texte erinnert wird. Dabei spielt erneut die Wiederholung eine entscheidende Rolle. Indem der Autor bestimmte Wörter, Phrasen, Schauplätze, Motive, etc. wiederholt, möchte er den aufmerksamen Leser dazu animieren, sich die wichtige Frage zu stellen: Woran erinnert mich das? Das funktioniert natürlich nur, wenn der Leser die vorherigen Texte kennt und sich dessen bewusst ist, dass die Bibelschreiber die Angewohnheit haben, auf vorherige Texte anzuspielen. Ansonsten werden die Hinweise, die der Autor im Text hinterlassen hat, schlicht übersehen werden.

Das heißt, wenn wir die Bibel richtig verstehen und auslegen wollen, müssen wir dieses Buch gut kennen. Allermindestens sollten wir ein Grundwissen über den Inhalt der Bibel haben. Die beste Möglichkeit sich dieses Wissen einzueignen, ist ganz einfach die Bibel durchzulesen. Je mehr man liest und desto mehr man mit dem Inhalt vertraut ist, desto leichter ist es zu erkennen auf welche Texte ein Bibelschreiber anspielt und wie diese Anspielungen helfen den Ausgangstext besser zu verstehen. Gib nicht auf, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Es braucht etwas Übung und Zeit, aber es lohnt sich!

Fortsetzung folgt.

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