Zwei völlig verschiedene Festmahle

Matthäus 14,1-21 beschreibt zwei Festmahle, die von zwei Königen ausgerichtet werden. Das Erste ist das Mahl des Herodes (V.1-13). Es findet in seinem Palast statt und endet mit dem Tod Johannes des Täufers. Laut Vers 5 hatte Herodes Johannes bereits eher töten wollen, fürchtete sich aber vor der Volksmenge. Als aber die Tochter der Herodias vor ihm tanzt, lässt er sich zu einem vorschnellen Eid hinreißen und verspricht ihr alles zu geben, worum sie bittet. Angeregt durch ihre Mutter sagt das Mädchen: Gib mir hier auf einem Teller den Kopf von Johannes dem Täufer (V.8). Obwohl es dem König leid tut, befiehlt er, Johannes umzubringen, um sein eigenes Gesicht zu wahren. Also wird Johannes getötet und sein Kopf wird dem Mädchen gegeben, welches ihn der Mutter bringt. Gemäß V. 12 wurde der Körper von Johannes von seinen Jünger aufgehoben und begraben.

Vergleichen wir das einmal mit dem zweiten Festmahl, das in V.14-21 beschrieben wird. Dieses Festmahl wird auch von einem König ausgerichtet, aber er ist ganz anders als Herodes. Statt sich wie Herodes vor der Volksmenge zu fürchten, hat dieser König Mitleid mit ihr (V.14). Anstatt Menschen zu töten, heilt dieser König all ihre Krankheiten. Obwohl dieses Festmahl an einem einsamen Ort stattfindet, ist das Ergebnis viel positiver: statt eines Kopfes auf einem Teller erhalten die Menschen echte Nahrung, die sie satt macht. Die Art und Weise, wie dies geschieht, erinnert an das erste Festmahl: als die Jünger sagen, dass sie nur fünf Brote und zwei Fische haben, antwortet Jesus ihnen: Bringt sie mir her (V.18; dasselbe griechische Wort wie in V.8). Dann befiehlt er der Volksmenge, sich zu setzen (V.19). Danach bricht er das Brot und gibt es den Jüngern, die es dann zu den Menschen bringen. Am Ende heben die Jünger auf, was übriggeblieben ist (V.20).

Matthäus erklärt die tiefere Bedeutung des zweiten Festmahls nicht ausdrücklich; Johannes hingegen schon (siehe Johannes 6). Das Brot, das gebrochen wurde, symbolisiert den Leib Christi. So wird der Kontrast zwischen den beiden Königen und ihren Festmahlen in Matt 14 noch deutlicher. Während der eine König vor der Volksmenge Angst hat und den Kopf des Propheten Gottes darbietet, um sein eigenes Gesicht zu wahren, hat der andere König Mitleid mit dem Volk und bietet seinen eigenen Leib dar, um andere zu retten. Das „Mahl“ beim ersten Bankett ist das Ergebnis von Selbstsucht und Grausamkeit und sättigt niemand – es stillt lediglich Herodias‘ Gier nach Rache. Das Mahl beim zweiten Bankett hingegen findet aufgrund von Selbstlosigkeit und Mitleid statt und macht alle Anwesenden satt. Kein Wunder, dass wir uns zu so einem König hingezogen fühlen und weiterhin sein Mahl feiern, das wirklich satt macht.

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5 Gedanken zu „Zwei völlig verschiedene Festmahle

  1. Mir gefällt der Beitrag auch gut, danke dafür.
    In Matthäus 21 lesen wir nochmals, dass die Volksmengen gefürchtet wurden, weil sie jemanden (Johannes, V.26 bzw. Jesus, V.46) für einen Propheten hielten.
    Dort fürchtete sich nicht Herodes als er Johannes den Täufer töten wollte, den er „gegriffen“ hatte (14,3+5), sondern die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes bzw. die Pharisäer zum einen als Jesus ihnen die Gegenfrage stellte woher die Taufe Johannes´ war (21,25-26) und zum anderen als sie Jesus zu „greifen“ suchten (21,46).
    Das ist höchst interessant, denn Jesus sprach bei letzterem kurz zuvor in einem Gleichnis von Knechten, die zuerst zu den Weingärtnern gesandt wurden (siehe 21,34-35) und teilweise auch getötet wurden (wie ja auch Johannes der Täufer, siehe 14,10) und von dem Sohn, der zuletzt gesandt wurde und der, obwohl von den Bauleuten verworfen, zum Eckstein geworden ist.
    „(…) wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden.“ (1. Pet 2,6)

  2. Im Bericht über die Speisung der Volksmenge sind/scheinen so viele Hinweise auf die Schöpfung zu sein – das ist mir ja noch nie aufgefallen! Es „war Abend geworden“ („es wurde Abend und es wurde Morgen“), der Ort war „öde“ („die Erde war wüst und leer (wörtl. öde)“), die Volksmenge sollte sich auf das „Gras“ lagern, „Speise“ wurde „gegeben“, Jesus blickte auf zum „Himmel“ und „segnete sie“. Das kann doch kein Zufall sein, oder? Eva aß von der Frucht und gab ihrem Mann davon und er aß und die Folgen der Sünde waren Leid und Tod. Aber hier lesen wir, dass Jesus Männer und Frauen und deren Kinder Speise gab und „alle aßen und wurden gesättigt“. Ist das nicht wunderbar? Jesus hatte und hat Mitleid mit uns sündigen Menschen und bietet uns Wiederherstellung an. Er gab sein Leben damit wir (ewig) leben können. „Denn wie durch des einen Menschen Ungehorsam die Vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden.“ (Römer 5,19)

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