Die Struktur von Daniel 2

In meinem letzten Post habe ich versucht aufzuzeigen, dass Gott in Daniel 2 als einzig wahrer Herr über die Zeit dargestellt wird. Es ist interessant, dass selbst die Struktur des Kapitels genau diesen Punkt hervorhebt.

Das Kapitel enthält fünf Szenen:

  1. Nebukadnezar und die Weisen (vv 2-11)
  2. Daniel und Arjoch (vv 14-15)
  3. Daniel und seine Freunde (vv 17-23)
  4. Daniel und Arjoch (vv 24-25)
  5. Nebukadnezar und Daniel (vv 26-47)

Bereits die Tatsache, dass Daniel und Arjoch zweimal (in Szenen 2 und 4) auftreten und dass Nebukadnezar in jeweils anderer Begleitung in Szenen 1 und 5 erscheint, deutet einen chiastischen Aufbau der Geschichte an. Mehrere andere Parallelen in dem Kapitel bestätigen das:

A Die Weisen von Babylon können den Traum weder nacherzählen   noch auslegen, sie sollen getötet werden (vv 1-9)

B „Die Sterndeuter antworteten vor dem König und sagten“ – kein Mensch auf Erden kann das Geheimnis sagen, nur die Götter (vv 10-11)

C Daniel und Arjoch – Daniel geht zum König (vv 14-16)

X Daniel und seine Freunde beten – das Geheimnis wird offenbart – Gott wird gepriesen (vv 17-23)

C‘ Daniel und Arjoch – Daniel geht zum König (vv 24-25)

B‘ „Daniel antwortete vor dem König und sprach“ – kein Mensch kann das Geheimnis sagen, nur Gott (vv 27-28a)

A‘ Daniel kann den Traum nacherzählen und auslegen, er wird belohnt  (vv 28b-49)

Die äußeren Teile des Kapitels (A und A‘) sind parallel, weil beide Nebukadnezar im Gespräch mit Personen zeigen, von denen er hofft, dass sie seinen Traum nacherzählen und auslegen können. Die Weisen versagen und sollen deswegen hingerichtet werden. Daniel jedoch ist in der Lage, den Traum nachzuerzählen und auszulegen und wird daraufhin reich belohnt.

Interessanterweise sind sich Daniel und die Weisen darin einig, dass es für Menschen unmöglich ist, das Geheimnis zu offenbaren. In beiden Fällen werden ihre Aussagen mit der Phrase „X antwortete vor dem König und sprach“ eingeleitet. Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, dass die Weisen die Götter als fähig ansehen, das Geheimnis zu offenbaren. Daniel hingegen ist überzeugt davon, dass nur Gott dazu in der Lage ist. Die Struktur stellt nicht nur die Weisen und Daniel einander gegenüber, sondern auch die Götter und Gott. Und wie das Kapitel zeigt, ist nur Gott fähig, das Geheimnis zu offenbaren. Und weil Daniel eine Beziehung zu diesem Gott hat, ist er wiederum in der Lage, den Traum nachzuerzählen und seine Deutung dem König kundzutun.

In den Teilen C und C‘ sehen wir Daniel und Arjoch. In beiden Fällen führt die Begegnung zwischen diesen beiden dazu, dass Daniel zum König geht: beim ersten Mal bittet er um einen Zeitaufschub (erinnerst du dich an den vorherigen Post?) und beim zweiten Mal, um den Traum auszulegen.

Das bedeutet also, dass die Verse 17-23 die Mitte des Kapitels bilden. Das ist auch nicht überraschend, weil diese Szene den Wendepunkt der Geschichte darstellt. Hier wird Daniel und seinen Freunden das Geheimnis aufgrund ihres Betens offenbart. Daniel beginnt Gott zu preisen (vv 20-23). Diese Verse sind in lyrischer Form geschrieben und bilden sowohl in ihrer Form als auch in ihrem Inhalt den Höhepunkt des Kapitels. Hier nämlich wird Gott unter anderem als der wahre Herr über die Zeit gelobt: „Er ändert Zeiten und Fristen“ (Vers 21).

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